Aktion und Reaktion
Wann haben wir die Kontrolle abgegeben?
Es ist etwas Zeit vergangen, es ist Winter, der Jahreswechsel ist gerade vorbei und ich wünsche euch ein gesundes, glückliches und zufriedenes Jahr 2026.
Es ist kalt geworden und im Dachgeschoss lodert ein wärmendes Feuer im Ofen.
Die Zeit nach Weihnachten, „zwischen den Jahren“ wie man so schön sagt, ist traditionell die Zeit der Reflexion, des Nachdenkens und des Planens für das kommende Jahr.
Manche Menschen fassen Vorsätze, melden sich im Fitnessstudio an, setzen sich Ziele und halten Rückschau. Manche anderer hält nichts davon, sich ausgerechnet jetzt über das Gewesene nachzudenken oder Veränderungen zu planen - weil man das ja durchaus an jedem anderen beliebigen Tag des Jahres machen kann.
Worüber ich mir Gedanken gemacht habe? Für mich ist der Jahreswechsel immer so eine Zeit zum runterkommen, entschleunigen und innehalten. Dieses Jahr ist mir so richtig bewusst geworden, wie viele Apps und Geräte um unsere Aufmerksamkeit buhlen und uns letzten Endes daran hindern, zur Ruhe zu kommen. Wir alle fühlen uns gestresst in unserer modernen Welt und doch lassen wir zu, dass Smartphone und Co die Kontrolle übernehmen. Dieses digitale Grundrauschen, dass für uns so normal geworden ist, dass uns die Stille irritiert, wenn wir mal so richtig offline sind. Den Stress, den wir empfinden, ist das Ergebnis von konstanter Alarmbereitschaft - ständig auf dem Sprung, permanent in Erwartung der nächsten Notification.
Viel zu oft reagieren wir nur noch auf Input ohne selbst in Aktion zu treten. Hier ist ein Reminder, noch die eine E-Mail zu senden. Meine Fitness-App erinnert mich daran, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, ein Glas Wasser zu trinken. Natürlich sagt sie mir auch, wann ich schlafen gehen soll, wenn ich morgen früh einigermaßen fit sein möchte, obwohl ich das doch auch allein weiß. Oh, und „ding“ hier ist noch eine Nachricht, die darauf wartet, sofort von mir beantwortet zu werden.
Wir reagieren auf all diese Dinge, sie diktieren unseren Alltag. Wann haben wir die Kontrolle abgegeben? Wann haben wir damit angefangen, nur noch zu reagieren?
Keiner mag es, Dinge nicht unter Kontrolle zu haben und doch geben wir die Kontrolle ab an kleine piepsende Geräte.
Viel zu oft handeln wir nur noch reaktiv. Ich glaube, dass es Zeit ist, wieder etwas Kontrolle über die Dinge, die wir tun wollen, zu erlagen. Wirklich im Moment präsent zu sein, wirklich zu leben. Selbst zu entscheiden, wann ich zum Handy greife und eine Nachricht beantworte. Wer sind wir Menschen denn, wenn nicht vernunftbegabte Wesen mit eigenem Willen?
Natürlich gehören Smartphones, Tablets und Smartwatches zu unserem modernen Leben. Ich liebe Gadgets und es liegt mir absolut fern, diese zu verteufeln. Aber ich denke, wir sollten sie wieder mehr zu Werkzeugen machen, die uns nutzen, als uns zu versklaven und zu springen, wenn die Uhr am Handgelenk vibriert.
Ab heute hab ich meine Smartwatch vom Handy entkoppelt - das spart nicht nur Nerven, sondern auch Akku. Das Handy informiert mich nur noch über wenige Nachrichten, die meisten Apps schweigen einfach nur noch. Ich bin gespannt, wie es mir damit geht und hoffe, dass mein Stresspegel sinkt.
Viele Grüße aus dem Dachgeschoss und bis zum nächsten Mal!

